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· Ralf Westphal

Anwender programmieren wieder selbst

Anwender programmieren wieder selbst. Wir sind zurück dort, wo Softwareentwicklung einmal angefangen hat.

Bildcollage: Links ein Programmierer im weißen Kittel an einem Großrechner der 1950er-Jahre, mit Lochkarten und Fernschreiber. Rechts eine Frau von heute am Schreibtisch, die mit Claude Code ein eigenes Werkzeug baut und das Ergebnis am Bildschirm betrachtet

Früher, also in den 1930ern, 1940ern, 1950ern haben diejenigen Programme „geschrieben“, die sie anschließend auch benutzt haben. Programmierer waren User in Personalunion.

Dann haben sich diese Rollen getrennt. Der Programmierer als Experte, als Dienstleister für andere hat sich herausdifferenziert. Damit entstand ein Kommunikationsproblem: User mussten ihre Vorstellungen Programmierern vermitteln, anschließend mussten sie warten und schließlich das gelieferte Programm begutachten – und in die nächste Runde gehen, wenn etwas noch nicht passte.

Diese Trennung, ich bin fast versucht zu sagen: diese Entfremdung von Programmierern vom Problem der User hat über die Jahrzehnte viel, viel Geld gekostet. Aber es war wohl leider nicht anders möglich. Software war zu komplex geworden. Es brauchte diese Spezialisierung. Deshalb auch Softwarekrise: immer gab es zu wenige Programmierer für all die Softwarewünsche der User.

Und nun ist diese Trennung von KI wieder aufgehoben. Mit KI-Assistenten wie Claude Code oder Codex usw. sind wieder User in der Lage, Software für sich selbst zu entwickeln.

Dadurch sind Programmierer und User allerdings nicht dieselbe Person, denn KI programmiert/schreibt den Code. Doch User sind so eng wie seit Jahrzehnten nicht in die Entwicklung eingebunden. Sie sagen unmittelbar an. Sie bedienen ein Tool, für das sie kein Studium absolvieren müssen. Es gibt keine Diskussion, keine Konflikte mehr. Kein Programmierer rollt mehr die Augen und denkt „Hätte der User das nicht früher sagen können?“ Nein, alles ganz friedlich – auch wenn es zu Frustrationen kommen kann. Back in the days hat nicht alles auf Anhieb funktioniert, das ist nicht anders heute mit KI. So ist es eben, wenn Lösungen entwickelt werden.

Ich finde das großartig! User gestalten selbst ihre Werkzeuge! Dafür muss man kein Programmierexperte mehr sein, sondern vor allem ein klarer Denker mit einem „engineering mindset“ und einer Vision.