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· Ralf Westphal

Die Vibe-Coding-Ampel: Wer kann selbst loslegen?

Wie realistisch es ist, selbst ein Programm mit KI zu bauen – und welche Hilfe Sie brauchen

Sie stehen vor einer Aufgabe und denken: Hier könnte mir ein Programm helfen, eines, das eine KI für mich baut. Wie realistisch ist es, dass Sie selbst einsteigen? Und wenn Sie merken, dass Sie allein nicht weiterkommen: Welche Hilfe brauchen Sie eigentlich?

Programme allein durch Anweisungen an eine KI entstehen zu lassen, ohne Code zu sehen und ohne spezielle Programmierumgebung, nennt man Vibe Coding. Ob das gelingt, hängt vor allem von zwei Dingen ab: vom Mindset und von der Erfahrung mit dem Programmieren. Um das einzuschätzen, haben wir einen Würfel mit drei Dimensionen gebaut, die Vibe-Coding-Ampel. Verorten Sie sich darin, und Sie sehen, ob Sie selbst starten können oder welchen Anschub Sie brauchen.

Drei Dimensionen

Wer vor einem Problem steht, für das ein Programm entstehen soll, kann sich in drei Dimensionen verorten.

Expertise: Neuling oder Experte in der Sache

Die erste Frage ist: Kenne ich mich in dem Thema aus? Weiß ich wirklich, worum es geht? Steht zum Beispiel ein Laie vor einem Problem aus der Steuerberatung, ist er kein Fachexperte. Das heißt nicht, dass er das Problem nicht selbst lösen kann. Aber es mag ihm schwerer fallen, egal wie die Lösung aussieht, einfach weil er nicht Experte in der Sache ist.

Am einen Ende dieser Dimension steht der Neuling, am anderen der Experte für die Problemdomäne, also das Fachgebiet, für das ein Programm entwickelt werden soll.

Mindset: User oder Maker

Unabhängig davon, ob jemand Experte ist oder nicht, kann er das Mindset eines Users oder eines Makers haben.

Der User sagt: Gebt mir eine Lösung, gebt mir einen Hammer, dann lerne ich schon, damit umzugehen. Gebt mir einen Taschenrechner mit 15 Knöpfen, damit komme ich zurecht. Kommt später einer mit 55 Knöpfen, ein wissenschaftlicher Taschenrechner, dann geht das auch irgendwie, das lerne ich schon. Ein User kann ein einfacher Bediener sein, der mit wenigen Knöpfen umgeht, oder ein Spezialist, der mit vielen Knöpfen umgehen kann.

Das ist immer noch etwas anderes als das Mindset eines Makers. Der Maker will keine Liste von Knöpfen, die er drücken kann, oder Anweisungen, die er befolgen soll. Er ersinnt selbst Lösungen. Er hat ein Engineering-Mindset: Er ist Ingenieur, er ist Forscher, er will und kann selbst Lösungen für sich entwickeln. Zur Not lernt er etwas Neues dazu.

Warum gerade KI dieses Mindset verlangt und wie sich User und Maker im Umgang mit ihr unterscheiden, steht im Beitrag User oder Maker/Builder? KI braucht ein Engineering-Mindset.

Vorerfahrung: Laie oder Profi im Programmieren

Die Vorerfahrung bezieht sich auf das Programmieren. Unabhängig von Mindset und Expertise kann jemand keine Ahnung vom Programmieren haben. Dann ist er im Extremfall Laie. Oder er hat dort viel Erfahrung und ist Profi.

Wer 20 Jahre Software entwickelt hat, ist natürlich Profi. Das bedeutet aber nicht, dass er in der Sache, um die es geht, viel Ahnung hat. Und es bedeutet auch nicht, dass er ein Maker-Mindset hat. Auch Programmierer können so gepolt sein, dass sie Anweisungen befolgen und alles richtig machen wollen. Sie haben Detailkenntnisse und sind Spezialisten, aber sie sind nicht wirklich Architekten oder Ingenieure, sondern setzen treu um. Damit gehören sie zu den Usern, nicht zu den Makern.

Vier Wege ins Vibe Coding

Der Würfel ordnet ein und gibt Hinweise, wie man für ein Problem mit Vibe Coding zu einer Lösung kommt. Entscheidend sind dabei Mindset und Vorerfahrung, die Expertise in der Sache ändert am Urteil nichts. So ergeben sich vier Paare:

  • Maker und Profi: selbst starten. Ob Neuling oder Experte in der Sache, wer Maker-Mindset und Programmiererfahrung mitbringt, kann mit Vibe Coding durchstarten und eine Lösung bauen.
  • User und Profi: Anschub durch einen Maker. Auch hier kann jemand selbst eine Lösung bauen. Er braucht aber Anschub durch einen Maker. Der Maker bringt die Energie hinein, die nötig ist, um das User-Mindset ins Tun zu bringen, selbst wenn jemand schon Programmierprofi ist.
  • Maker und Laie: Anschub durch einen Profi. Wer Maker ist, aber keine Programmiererfahrung hat, braucht zum Start einen Profi. Die Energie ist da, aber das Projekt braucht technisch einen Anschub: einige Entwicklungen vorab, damit es zum Fliegen kommt. Ist es auf Reiseflughöhe, übernimmt der Maker und baut die Lösung selbst weiter, egal ob er Neuling oder Experte in der Sache ist.
  • User und Laie: Hilfe nötig. Hier wird es ohne Hilfe nicht gehen. Jemand anderes muss die Lösung für ihn vibecoden, ein Profi muss neben ihm sitzen. Das ist völlig in Ordnung und keine Wertung, sondern eine nüchterne Einschätzung.

Wie startet Ihr Vibe-Coding-Projekt?

Die Ampel beantwortet eine einfache Frage: Wie kann ein Vibe-Coding-Projekt starten? Wer User und Laie ist, braucht garantiert einen Profi, der das Vibe Coding übernimmt. Wer Maker und Profi ist, braucht niemanden sonst. Alle anderen brauchen Anschub, entweder durch einen Maker oder durch einen Profi, und dann kann das Projekt selbst fliegen. Beim Anschub durch einen Maker geht es um die Energie. Beim Anschub durch einen Profi geht es darum, die Sache technisch aufzusetzen.

Wobei wir helfen

Wir selbst sind Maker und Profis. Deshalb können wir beides geben: Anschub als Maker, wenn es an Energie fehlt, und Anschub als Profis, wenn ein Projekt technisch aufgesetzt werden muss. Und wir können es auch selbst tun: das Projekt entwickeln, die App bauen, das Programm schreiben.

Sind Sie selbst Maker und Profi, diskutieren wir gern auf Augenhöhe mit Ihnen. Wir schauen uns Ihren Anwendungsfall an und lernen dabei etwas über Ihr Fachgebiet.

So sind wir in allen vier Bereichen der Ampel gern dabei: ganz konkret, wo ein Maker oder ein Profi gebraucht wird, und als Gesprächspartner, wo Ihr Projekt schon selbst fliegt.

Dass wir das können, zeigt unsere App-Bibliothek: viele Anwendungen, die wir selbst mit Vibe Coding gebaut haben, als Maker und als Profis. Ein ausführliches Beispiel zum Nachbauen ist der Artikel Einfacher Projektplan: Das geht ohne Excel noch einfacher. Die Unterscheidung von Bedienern, Spezialisten und Ingenieuren finden Sie auch auf unserer Seite KI im Office. Und wenn Sie wissen wollen, wo Sie mit Ihrem Vorhaben stehen: Sprechen Sie uns an.